Kurzkonzept


Traumapädagogik trifft Natur- und Erlebnistherapie - Konzept für einen „Time-in“ Platz in der Natur:
Für Kinder und Jugendliche im Alter von 9 - 18 Jahren

Informationen auf einen Blick

Träger des „Time-in“ Platzes: Sispa - Institut für Entwicklungsprozesse in der Natur
Aufnahmekriterium: eine Person
Dauer: bis zu 6 Wochen, danach Verlängerung möglich
Leitung: Dipl.-Soz.-Päd. Annette Bergmann (Erlebnispädagogin, Systemische Naturtherapeutin, Traumapädagogin & traumazentrierte Fachberaterin)
unterstützendes Team: je nach Bedarfslage
Kosten:

nach individueller Absprache

 

Kontakt für Anfragen:
Annette Bergmann
Riedis 12, 87466 Oy-Mittelberg
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Büro: 08321-6765237
Mobil: 0151-61616106


Hier können Sie das gesamte Konzept auch als PDF herunterladen.


1. Kontext und Ausgangspunkt für die Entwicklung eines „Time-In“ Platzes in der Natur

Seit dem Jahr 2010 arbeite ich mit Jugendlichen der Jugendhilfe in individualpädagogischen Einzelmaßnahmen, welche von Jugendämtern direkt oder in Kooperation mit Jugendhilfeträgern angefragt werden.

Dieser Time –In Platz ist für besondere Kinder der Jugendhilfe bundesweit.

Primäre Bindungs- und Beziehungserfahrungen sind ausschlaggebend für seelische, körperliche und geistige Entwicklungen. Sind diese Erfahrungen belastet, beispielsweise durch den Tod eines Elternteils, durch Trennung und Scheidung oder sexuelle Übergriffe, sind oftmals soziale Auffälligkeiten im Verhalten von Kindern beobachtbar. Auch Vernachlässigung und Verzärtelung sind bindungsprägend und können im Extremfall Traumafolgestörungen nach sich ziehen. Nicht alle Kinder und Jugendliche sind stabil genug, um eine Trennung von der Familie zu ertragen und sich in Jugendhilfeeinrichtungen einzuleben. Gelingt dies nicht, kann es sein, dass sie sich dauerhaft entwurzelt fühlen. Sie zeigen dann manchmal Symptome im Bereich des Sozialverhaltens, unregelmäßigen Schulbesuch, ziehen sich zurück, wirken „unerreichbar“, konsumieren Suchtmittel. Sie können zu Drehtürpatienten werden und ihren Lebensmittelpunkt temporär zwischen Psychiatrie-Jugendhilfe-Familie-Psychiatrie verschieben. Oder sie werden von den Erwachsenen verschoben. Letztendlich finden sie keinen Halt und befürchten Korrekturen ihrer Bewältigungsstrategien, die ihnen ihre Existenz bisher sicherten. Ebenso schwierig sind die sogenannten Brückensituationen beispielsweise im Rahmen von Rückführungen in den familiären Haushalt.

Wir werden oft angefragt, wenn Kinder und Jugendliche in den vorhandenen Strukturen der Jugendhilfe und der Psychiatrie nicht die Unterstützung annehmen können, die sie aufgrund ihrer Bindungsstörungen und frühkindlichen Traumatisierungen benötigen. Sie reißen aus, können in Einrichtungen nicht gehalten werden und rutschen immer weiter in die kriminellen Strukturen der Städte, um auf der Straße zu überleben.

Wir unterbrechen das System mit dem Auftrag der Entwicklung von Neuorientierungen in speziellen Fällen. Meine Beobachtung ist, dass Fachkräfte der Jugendhilfe und Inobhutnahme-Gruppen aufgrund der potenzierten Trauma Dynamik vieler Kinder auf engem Raum, nicht allen Betroffenen das Setting anbieten können, das diese Kinder brauchen, um in einen mittleren Stresslevel kommen und im Hier und Jetzt an der Gestaltung ihrer Zukunft arbeiten zu können. Oft triggern aufgenommene Kinder sich gegenseitig - Kinder und Betreuer sind dann überfordert. Ein Schutz der Kinder vor Co- und Sekundärtraumatisierungen oder anderen psychischen und physischen Schwierigkeiten als Folge von Traumafolgen ist die „Flucht“ - oft auf die Straße. Mit dem „Time-in“ Platz möchten wir ein Angebot schaffen, das diese Situation für betroffene Kinder und Jugendliche verändert.

Bestärkt wurden wir in unserer Idee durch Kinder und Jugendliche selbst, die wir betreut hatten. Sie schreiben uns an oder empfehlen uns weiter. Sie selbst fragen nach freien Kapazitäten für die individuelle Begleitung mit uns an. Oft sagen sie, dass unsere Form der Methoden und unsere Form der Begleitung sowie die angepassten Regeln zielführend für sie sind.

In der Vergangenheit haben wir intuitiv das Setting gestaltet, welches Entwicklung unterstützte. Im Frühjahr diesen Jahres gab ein Mädchen mit ihrer Aussage den Anstoß zur Entwicklung dieses Angebots: es wäre doch gut, wenn es immer einen solchen „Time – in“ Platz im Allgäu für Kinder wie sie gäbe. Einen Platz für Kinder, die keinen Platz haben und durch die Inobhutnahme zu sehr gestresst und aggressiv sind. Daraufhin haben wir das Konzept fachlich ausgearbeitet und ausgebaut.

2. Was bedeutet „Time-In“ Platz?

Während „Time –out“ Projekte oft schwerpunktmäßig zur Entlastung der Systeme angeboten werden, wird mit dem „Time-In“ Platz die Perspektive gewechselt. Es wird sich schwerpunktmäßig Zeit für die Teilnehmenden genommen– mehr Zeit als im Wohngruppenalltag zur Verfügung steht. Die Kinder rücken bewusst in den Fokus und werden mit ihren Stärken und Schwächen, Erfahrungen und guten Gründen für ihr Verhalten intensiv und wertschätzend wahrgenommen. Partizipativ wird mit ihnen ihre Ressourcen- und Belastungslage analysiert. Es wird daran gearbeitet, das Verhalten, Denken und Fühlen auf Erwachsenenebene zu verstehen und für die Kinder selbst verstehbar zu machen. „Time-in“ bedeutet, sich eine Zeit intensiv nur mit sich selbst zu beschäftigen. Der Fokus liegt darauf, bei sich im Hier und Jetzt anzukommen, Kraft zu schöpfen, Gefühle und Erlebtes zu sortieren und Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Es ist eine Zeit zur Persönlichkeitsentwicklung, Stabilisierung und Zukunftsorientierung. Eine Zeit für die Innenschau, eine Zeit zum Wiederentdecken von Stärken und zur Förderung und Erweiterung der eigenen Ressourcen. Schwerpunktmäßig wird stabilisierend gearbeitet, die Selbstwahrnehmung und Selbstwirksamkeit wird gefördert, Selbstheilungskräfte werden reaktiviert. Gemeinsam werden Lösungsideen für aktuell konflikthafte Lebensthemen gesucht und dabei unterstützt, passende Anschlussmaßnahmen und Betreuungssettings zu entwickeln und zu finden.

 3. Informationen auf einen Blick

 Träger des „Time-in“ Platzes: Sispa - Institut für Entwicklungsprozesse in der Natur

Aufnahmekriterium: eine Person

Dauer: bis zu 6 Wochen, danach Verlängerung möglich

Leitung: Dipl.-Soz.-Päd. Annette Bergmann (Erlebnispädagogin, Systemische Naturtherapeutin, Traumapädagogin & traumazentrierte Fachberaterin)

unterstützendes Team: je nach Bedarfslage

Kosten: nach individueller Absprache

4. Zielgruppe

  • Jungen und Mädchen, bevorzugt zwischen 9 und 18 Jahren. Diese können emotionale Störungen, dissoziale Verhaltensweisen und schulische Probleme haben. Ihre Selbststeuerungsfähigkeit kann beeinträchtigt sein. Ebenso kann ein familiär belastender Hintergrund vorhanden sein.

  • Mädchen und Jungen, die eine reiz arme Umgebung in der Natur brauchen.

  • Kinder und Jugendliche mit PTBS-Problematik

Ausschluss

  • Nicht aufgenommen werden Kinder und Jugendliche mit akuten Suchtproblematiken.

  • Nicht aufgenommen werden Kinder und Jugendliche mit Behinderungen, die spezielle Formen oder Hilfsmittel zur Unterstützung benötigen, da das Gelände eine körperliche Fitness voraussetzt.

5. Ziele der Maßnahme

Die konkreten Ziele für die Maßnahme werden individuell auf die Teilnehmenden und gemeinsam mit ihnen abgestimmt, selbstverständlich in Abstimmung mit dem Jugendamt und Vormund. Die bindungsorientierte Haltung des betreuenden Teams und die Gestaltung eines sicheren Settings abgestimmt auf die Bedürfnislage der Teilnehmenden bietet heilsame Erfahrungsmöglichkeiten. Kindliche Bedürfnisse können nachnähren. Konzeptionell wird Folgendes mit dem Angebot verfolgt:

  • Herausarbeiten und Fördern der Ressourcen der Teilnehmenden (persönliche, familiäre, sozialräumliche, materielle)

  • Verständnis der Belastungslagen und guten Gründe für gezeigtes Verhalten – Themen und Gefühle aus der Vergangenheit können im Hier und Jetzt erkannt, benannt, sortiert und ggf. verarbeitet werden

  • Klärung des Selbstbildes (Kind/Jugendliche hat ein, ggf. mehrere Probleme - es/ sie ist nicht „das Problem“)

  • emotionale Beruhigung der Teilnehmenden in reizarmer, aber reizvoller Umgebung - überführen in einen mittleren Stresslevel

  • Erarbeitung einer Veränderungsmotivation, Interventionserlaubnis des Kindes/der Jugendlichen

  • Klärung - wie kann die weitere Unterbringung/Betreuungssituation aussehen? Aktive Mitgestaltung möglicher Perspektiven. (Was ist los? Wie geht es weiter? Wo werde ich leben?)

  • Verhinderung des Drehtüreffekts, ggf. gezielte Vermittlung in ein passendes nachhaltiges Betreuungssetting

  • bei Bedarf Organisation einer traumazentrierten Fachberatung und Nachbetreuung im Anschluss der Maßnahme

6. Team

Das Kind/die Jugendliche wird rund um die Uhr betreut. Auch nachts ist eine pädagogische Fachkraft vor Ort. Ein weiterer Mitarbeiter hat Bereitschaft oder ist mit im Dienst, so dass in Krisensituationen immer eine zweite Fachkraft unterstützend zur Seite stehen kann.

Das Team setzt sich zusammen aus…

1 x Sozialpädagogin (Leitung) mit traumapädagogischer Zusatzausbildung

1 x Erlebnistherapeut/Ergotherapeut

1 x Erzieherin

2x Therapiehunde

Bei Bedarf werden ausgebildete Fachkräfte für besondere Angebote hinzugezogen (z.B. Skifahren, Bergsteigen, Wandern, Erlernen eines Musikinstruments etc.). Durch hohe pädagogische, bindungsorientierte Präsenz und einen strukturierten Tagesablauf mit Ritualen und Regeln wird Halt und Sicherheit geschaffen. Das Prinzip „Wachsen durch gemeinsames Tun und Erleben“ beinhaltet sowohl die Haushaltsführung, als auch Erlebnispädagogik, Tierversorgung, Gartenarbeit und soziale Projekte.

7. Schulpflicht

Von einer Anbindung in einer öffentlichen Schule wird in den ersten sechs Wochen abgesehen. Alternativ werden Lernangebote wie Arbeiten im Garten und die Arbeit mit Tieren geboten. Teilnehmende bekommen dadurch die Chance die Einhaltung einer Tagesstruktur zu erlernen, der für den nächsten Schritt der Wiedereingliederung in die Schule benötigt wird.

8. Aufnahmeprozedere

Eine Aufnahme ist mittel- und langfristig planbar, im Rahmen von Kriseninterventionen und bei freien Kapazitäten innerhalb von 24 Stunden möglich.

  1. Nach der Anfrage des Jugendamtes findet ein Gespräch mit dem Kind/ der Jugendlichen, der Familie und dem Jugendamt statt mit dem Inhalt: Darstellung des Konzeptes und Besichtigung des Platzes (kann auch über Bilder & Broschüre sein).

  2. Der Hilfeplan wird für sechs Wochen geschrieben mit der Option auf Verlängerung.

  3. Das Aufnahmegespräch, in dem die Ziele und Bedingungen der Betreuung individuell vereinbart werden, erfolgt unter Beteiligung des Jugendamtes, der sorgeberechtigten Eltern, des Kindes sowie Mitarbeitern der Wohngruppe und der pädagogisch-therapeutischen Leitung.

  4. Entscheidung aller Beteiligten und Festlegung des Aufnahmetermins.

  5. Die Aufnahme wird individuell gestaltet.

  6. Der Geltungsbereich der Vereinbarungen richtet sich nachfolgenden Richtlinien:

    • Einzelfall nach § 78b, Abs. 3 in Verbindung mit § 36(1); §§ 27,2 ff., § 34, § 35a (ausgenommen außerschulische Förderung), § 41, § 19, § 13,3 SGB VIII

    • Angebot als individuelle Zusatzleistung im Rahmen der Hilfeplanung neben dem Regelangebot gemäß Rahmenvertrag. (Einzelvereinbarung)

    • sonstige ambulante Jugendhilfeleistungen nach § 27,2 SGB VIII

  1. Aktuelle Führungszeugnisse aller Mitarbeiter werden dem Träger vorgelegt.

9. Strukturelle Rahmung

Freiwilligkeit

Ein Wesensmerkmal ist die „Freiwilligkeit“ der bis zu sechs Wochen dauernden Maßnahme. Manchmal haben die Kinder keine große Wahlmöglichkeit. Aber auch die Alternative zu einer Gefängnisstrafe oder einem Leben auf der Straße ist eine Wahl. Wichtig ist zu klären, welche Konsequenzen ein Abbruch der Maßnahme für die Jugendlichen hätte.

Regeln

Im Vorfeld wird ein Vertrag über individuell vereinbarte Regeln aufgesetzt. Dieser wird von allen Beteiligten unterschrieben. Hierzu gehört das Besprechen, welche Konsequenzen bei Nichteinhaltung der Regeln zu erwarten sind. Dies dient der Orientierung der Teilnehmenden und der Helfer.

Es gibt folgende gesetzte, unveränderbare Regeln:

  • kein Handy, kein Internet, kontrollierte Menge Zigaretten am Tag (eingetragen in ein Rauchertagebuch), kein Alkohol, keine Drogen, kein gewaltsames Verhalten gegenüber Menschen, Tieren und der Natur, Kontaktsperre zu Eltern und Geschwistern

Zusätzlich werden bei Bedarf altersgerechte individualisierte Regelungen getroffen.

Transparenz

Die Prozesse und die Begleitung werden in einem Tagesprotokoll festgehalten. Ebenfalls wird ein Ressourcenkatalog angelegt. Dieser steht dem Jugendamt 24 Stunden nach der intensiven Begleitung zur Verfügung und kann für zukünftige Begleitungspersonen als Grundlage zur Verfügung gestellt werden. Das Jugendamt wird in wöchentlichen Anrufen und/oder per Mail über den aktuellen Verlauf informiert. Die Eltern werden nur in Absprache mit dem Jugendamt angerufen. Die Kinder/Jugendlichen erhalten zu den aktuellen Gesprächszeiten des Jugendamtes die Gelegenheit, Gespräche mit den Bezugsbetreuern zu führen.

Partizipation

In unseren täglichen Gesprächen kann es bei Bedarf um unsere gemeinsamen Absprachen gehen. Partizipation fördern wir in vielen Situation so z.B. besprechen wir den Essensplan und den Freizeitangebote gemeinsam. Die Regeln werden vor der Maßnahme besprochen und festgelegt und auch von allen Seiten unterschrieben. Um Regeln zu ändern muss das im Team abgesprochen werden.

Erlangen von Selbstwirksamkeit

Die Selbstwirksamkeit wird insbesondere durch positive Erfahrungen erlangt, wie zum Beispiel für die positive Umsetzung der Maßnahme, für das Erreichen der persönlichen Ziele der Kinder und Jugendlichen. Sie haben zuvor erlebt, dass sie die Regeln anderer Settings nicht einhalten konnten, sind vielleicht auch daraufhin weiter gereicht worden in andere Einrichtungen. Selbstwirksamkeit lässt sich erlernen. Wir setzen an den Ressourcen an und fördern die Resilienz der Kinder und Jugendlichen, so dass sie in zukünftigen Settings auch Vertrauen in die eigenen Kompetenzen und Durchhaltekraft, sowie die Förderung des Selbstvertrauens erfahren.

Freude und Spaß

Freude und Spaß ist sehr wichtig und hilft uns in die Gegenbewegung der oft schweren Themen und Probleme der Kinder und Jugendlichen zu gehen. Spielzeiten mit den Hunden oder auch die Begegnung der Tiere werden unterstützt, sie sind wichtige Mitglieder des „Time-in“ Platzes. Regelmäßige Spielabende werden unterstützt. Wir fördern ggf. auch begleitende Verabredungen zu Kindern im Ort, die sich zum Spielen treffen können.

Tagesstruktur

Die Strukturierung des Tages ist der äußere Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens wird sehr flexibel und individuell auf die Teilnehmenden eingegangen. Zu Beginn wird Zeit gegeben anzukommen um die vielen neuen Reize und Eindrücke auch zu verarbeiten. Themen wie Schlafstörungen, Unruhe oder Ängste werden einbezogen. Natürlich wird die Tagesstruktur den jeweiligen Symptomen des Jugendlichen angepasst, wenn z.B. Schlafstörungen das Frühstücken nicht um diese Zeit möglich machen

8:30 Uhr frühstücken

9:30 Uhr duschen und anziehen, aufräumen/ einkaufen

Arbeit im Garten oder mit den Tieren

13:00 Uhr Mittagessen

14:00 Uhr Ausflug/ Arbeitseinheit

18:30 Uhr Abendessen

20:00 Uhr Entspannungseinheit, z.B. Feuer machen, Gymnastik, Sport, Meditation

22:00 Uhr Nachtruhe

Diese Tagesstruktur begleitet uns an den „normalen Tagen“. Nur an An- und Abreisetagen sowie an Feiertagen, bei denen wir besondere Aktionen (wie z.B. Lagerfeuer um Mitternacht an Silvester) erleben, wird von der Struktur abgewichen. Wenn es aus Gründen der Stabilisierung wichtig ist, beispielsweise nachts noch draußen laufen zu gehen oder ein Feuer zu machen, wird dies vorrangig bedient und durchbricht die aktuelle Tagesstruktur.

10. Traumasensible inhaltliche Ausrichtung

Der “Time-in“ Platz bietet individuelle Förderungen mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen der Traumapädagogik, Erlebnispädagogik, der systemischen Natur- und Erlebnistherapie, der Ergotherapie (z.B. PädArT, Weidenzaunflechten) sowie der tiergestützten Arbeit. Eine Förderung und das Erlernen vom Umgang mit hochsensitiven Fähigkeiten können bei Vorliegen ermöglicht werden. Ebenso findet das Thema Ernährung seinen Platz (einkaufen, insbesondere heimischer Produkte, vorbereiten und kochen).

Es können soziale Kontakte bei Angeboten der Naturfreunde, Natursport z.B. installiert werden. Diese Angebote werden begleitet, so dass das Kind sich sicher fühlen darf und soziale Kompetenzen in einer Gruppe erlernen kann. In den einzeltherapeutischen Projekten lernt es sich selbst kennen, wahrnehmen und seine eigenen Handlungen zu reflektieren. Es besteht auch die Möglichkeit, die Jugendlichen (je nach Alter) bei, ausgewählten Firmen vor Ort in bestimmte Berufe hineinschnuppern zu lassen.

Ein großes Anliegen ist, das Kind in seinen Ressourcen (Musik, Kunst, Technik, Sport…) zu stärken, diese entdecken zu lassen und zu entwickeln. Dabei wird individuell auf die Bedürfnisse des Kindes eingegangen und partizipativ erarbeitet, in welchen Bereichen Ressourcen liegen. Wichtig ist dabei, dass das Kind sich als wertvoll erlebt und Motivation bekommt, seine Stärken zu leben.

Manche Kinder besitzen erfahrungsgemäß hochsensitive Fähigkeiten. Sie können beim Kind aufgrund der früheren Lebensumstände extrem gefördert worden sein. Es brauchte evtl. schon eine feine Nase um zu erahnen, ob die Eltern Alkohol getrunken haben. Diese Kinder nehmen kleinste Stimmungsschwankungen auf und scannen ihr Umfeld regelmäßig ab, um es zu kontrollieren und Gefahren frühzeitig aus dem Weg zu gehen. Diese unbewusste Wahrnehmungsschulung lässt sich nicht einfach ausschalten. Anstatt die Talente dieser Kinder angemessen zu fördern, entstehen oftmals Irritationen und Fehl-Interpretationen bei Eltern, Lehrern und Ärzten. Allzu schnell wird die Diagnose „verhaltensgestörte Kinder“ gestellt. Aufklärung und Information werden deshalb immer wichtiger. Diese besonderen Kinder brauchen eine professionelle Anleitung, um sich selbst zu schützen und mit ihrer eigenen Hochsensibilität selbstbewusst umgehen zu können. Beim „Time-in“ lernen hochsensible Kinder sich selbst besser zu verstehen. Sie lernen einen individuellen Umgang mit ihrer eigenen Wahrnehmung. Darüber hinaus können sie erfahren, dass sie mit ihren besonderen Gaben nicht alleine sind. Aufgrund der ständigen Übererregung ist es wichtig, vor Überforderung zu schützen. Ziel ist, aus einer vermeintlichen Schwäche eine Stärke zu machen.

Im Rahmen des „Time-in“ ist es möglich, einige Tage auf einer abgelegenen Berghütte oder eine einfache Unterkunft zu verbringen. Erfordert es die Situation, werden auch mehrtägige Biwak Einheiten mit Übernachtung (z.B. im Wald) durchgeführt.

Arbeit mit dem Sicheren Ort

In der Traumapädagogik gilt es nach Martina Baierl folgende sichere Orte zu gewähren oder zu erarbeiten:

  • den äußeren sicheren Ort

  • den personalen sicheren Ort

  • das Selbst als sicheren Ort

  • Spiritualität als sicheren Ort

  • den inneren sicheren Ort

(BAIERL M.; FREY K.: Praxishandbuch Traumapädagogik. Lebensfreude, Sicherheit und Geborgenheit für Kinder und Jugendliche. Göttingen. Vandenhoek & Ruprecht. 2016, S. 56ff).

Dass Sicherheit eine notwendige Voraussetzung für traumapädagogisches Handeln ist, wird mittlerweile weithin anerkannt. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen können sich dann sicher fühlen, wenn sie…

  • sich an einem äußeren sicheren Ort befinden, an dem keine Gefahren drohen.

  • sich bei Menschen befinden, die sie beschützen und alle Gefahren abwehren.

  • Sicherheit bei sich selbst finden, also auf sich selbst vertrauen und davon ausgehen, alle Herausforderungen und Gefahren sicher meistern zu können.

  • sich von spirituellen Mächten behütet und geborgen fühlen.

  • alle äußere Gefahr, sowie bedrängende innere Bilder ausblenden und sich an einen inneren sicheren Ort begeben können.

  • bei starker Regression ihr Kuscheltier oder auch ein lebendiges Tier als personalen sicheren Ort zur Verfügung haben. Entsprechend sollte diese Beziehung gewürdigt werden. (ebda, S. 62).

 

Der „Time-in“ Platz in der Natur

Sich auf den Weg zu machen und sich von der Stadt zu entfernen ist sehr wichtig, um dem Kind /Jugendlichen zu ermöglichen, sich zu öffnen und „Schutzmasken“ der Stadt abzulegen. Außerdem ist der Boden „unbefleckt“ und in der Umgebung gibt es keine Vorurteile. Quasi ein Neuanfang. Time –in- Plätze sind sehr gemütlich, es gibt viel Holz und Wiese und hilft entspannt zur Ruhe zu kommen und nachzudenken. Um in einer solchen Maßnahme prozessorientiert zu arbeiten, ist es wichtig, zu Beginn das Ankommen des Jugendlichen zu berücksichtigen, die Machtkampfphase und dann eine Differenzierungsphase zu ermöglichen, bei der das Arbeiten mit dem Jugendlichen günstig ist, da er hier am offensten für Veränderungsprozesse ist. Aber auch einen Abschied zu gestalten ist wichtig, um etwas zu beenden, damit wieder etwas Anderes beginnen kann.

Der „Time-in“ Platz bietet…

  • genügend Fluchtmöglichkeiten

  • eine reizarme dörfliche Umgebung

  • sofort zugängliche Natur und Tiere

  • eine Feuerstelle auf dem Gelände

  • ein eigenes Zimmer/eigenes Zelt

  • keine erreichbare Bus-/ Bahnanbindung

  • einen Platz mit Struktur und Herz

  • regelmäßiges Essen

  • Freiraum und das Gefühl, jederzeit rausgehen zu können

  • einen festen, sicheren Ort (kein Reiseprojekt)

  • individuelle Betreuerin inkl. Nachbetreuung

  • tiergestützte Arbeit

  • Verantwortung für Hunde bekommen (oder andere Haustiere)

  • sportliche Betätigung und Körperwahrnehmung

 

Das Kind /der Jugendliche kann den Raum einnehmen und auch mit der Zeit mitverändern, alles was es braucht, um ankommen zu dürfen. Es wird eine Komfortzone geschaffen – ein sicherer, wirklicher Ort.

Sich von einem solchen sicheren Platz weg zu bewegen, sich den Prozessen zu öffnen, aber auch wieder einen Schutzraum zu haben, in dem sich das Kind jederzeit zurückziehen kann, sind wichtige Ausgangsituationen für traumatisierte Kinder und Jugendliche. Tauchen traumatische Erlebnisse in Erzählungen und Erinnerungen auch in unerwarteten Momenten auf, können diese umgehend aufgefangen und besprochen werden. Emotionen bei Über- und Untererregung werden stabilisiert. Das Arbeitstempo reguliert das Kind selbst. Eine nahe Bezugsperson, eine Erlebnis- und Ergotherapeutin sowie zwei Hunde in naher Erreichbarkeit geben Sicherheit, nehmen wahr und wichtig.

Das Kind e/ der Jugendliche erhält die Aufmerksamkeit, die es braucht, Raum zum Ausprobieren und zum Lernen.

11. Traumapädagogik trifft Natur- und Erlebnistherapie - Methodische Interventionen

In Übungen zum Stehen, Erdung und Halt suchen und finden, bekommt das Kind die nötige Ruhe um nicht auf dem Sprung sein zu müssen und sich Zeit nehmen zu können für seinen „guten“ Platz. Ihn zu finden. Dabei helfen gezielte Erdungsübungen, wie zum Beispiel barfuß durch die Blumenwiese gehen, barfuß durch den Schnee gehen, Blumen pflücken und zu Tee verarbeiten, im Wald aufhalten, Wandern, Speckstein bearbeiten, in Heilerde baden und Ähnliches. In der systemischen Erlebnistherapie sprechen wir von archaischen kollektiven Erinnerungen, die eine Urverbundenheit zur „Mutter Natur“ wecken. Ein Gefühl, in dem wir uns zugehörig und eingebunden fühlen.

Die Erde, ein Element für Halt, Standfestigkeit, Geborgenheit, Tod und Neugeburt ist das Grundelement. So bildet die Verbindung und Anbindung zur Mutter Natur eine mütterliche Nahrung und ist gerade dann ganz wichtig, wenn wir von der leiblichen Mutter diese mütterliche Energie nicht ausreichend erhalten haben.

Wir arbeiten in der traumasensiblen Erlebnistherapie intensiv mit dem Element Feuer: Wir nähren das Herz mit Feuer, dem Element der Liebe und der Selbstverwirklichung. Das Kind lernt stückweise (wieder), sich selbst zu lieben und Visionen für seine Zukunft zu entwickeln. Um Loslass-Prozesse zu unterstützen, arbeiten wir in der systemischen Erlebnistherapie mit dem Element Wasser. Wasser unterstützt den Zugang zu den eigenen Gefühlen. Aus Selbstschutz unterdrücken traumatisierte Menschen oft ihre Emotionen, um den seelischen Schmerz nicht mehr zu spüren. Ein sicheres Setting kann am Wasser tiefe Traurigkeit und Wut zum Vorschein bringen. Diese Tränen können mit der Begleitung der Fachkraft geteilt und bearbeitet werden. Um dissoziativen Reaktionen entgegenzuwirken, versichert sich die Begleitung, ob die Person im Hier und Jetzt ist. Dazu hat sie im Vorfeld diverse selbstregulierende Stabilisierungsübungen mit dem Kind eingeübt. Um den Ausblick zu unterstützen, arbeiten wir mit der Bergluft, dem Ausblick eines Berggipfels. Visionen und Zukunftsbilder werden hier leichter geschöpft.

Beispiele:

Entschleunigung, Atmen, Füße auf den Boden stellen, sich im Hier und Jetzt orientieren: wo bin ich, welcher Tag ist heute …, Igelball, Eiswürfel, Kaugummi, Notfall-Tropfen, Bonbon, Spray (Bachblüten), Duft, welchen und wo steht er? Lieblingsmusik, welche genau? Ist sie auf dem Player installiert? Hund, Katze streicheln, knuddeln, Baum-Übung - ist sie in dieser Situation im Kopf abrufbar? Braucht es eine CD, einen Zettel? An den „sicheren Ort“ gehen, Filme - auch hier: welche Filme? Sind diese vorrätig?, Hilfreiche Sprüche - wo sind diese?, Schutzmantel visualisieren, Schutzstein Meditation (healing hand / Christliches Licht), Handschmeichler, griffbereit, Schutzspray. Wo steht es?, Kuscheltiere, welche für welche Funktion?, Fotos von schönen Erinnerungen, wo werden sie aufbewahrt?, Spaziergang, wo genau lang?, Schaumbad, welcher Duft am liebsten? Ist dieser vorrätig? 7 Dinge benennen, die es gerade sieht, in „X“-Stellung kraftvoll stehen und Hände in die Höhe strecken.

Natur- und erlebnistherapeutische Methoden

Natur- und Erlebnistherapie ist eine handlungsorientierte und ganzheitliche Hilfsform, bei der die Erlebnisse in der Natur mit ihren elementaren Kräften die Selbstheilungskräfte des Menschen unterstützt und anregt. Erlebnistherapie beinhaltet immer physische, psychische und soziale Herausforderungen, fokussiert ein nach Möglichkeit gemeinsam erarbeitetes Ziel (zur Symptomminimalisierung und/oder Strukturänderung der Persönlichkeit) und umfasst eine Reflexion des äußeren Ereignisses bezugnehmend auf innere Erlebnisse. Unter Erlebnistherapie wird der Einsatz von Natursportarten, wie zum Beispiel Klettern, Trekking, Kanu fahren usw. sowie die Bewältigung von Aufgaben im „Outdoor– Bereich“ mit dem Ziel der Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert verstanden (vgl. KAP-INSTITUT; Kooperative Abenteuer Projekte. Zusatzqualifikation Erlebnistherapie- Metaphorisches Lernen kreativ. 2006., S.4.).

Bei der Auswahl der Methoden orientiert sich die Arbeit des „Time-in“ Platzes an erlebnispädagogischen Wirkungsmodellen:

  1. am historischen Modell - Die Berge sprechen für sich selbst

Die Wirkung der Naturangebote beruht vor allem auf der Natur selbst. Die dabei gewonnenen persönlichkeitsverändernden Eindrücke brauchen keine Kommentierung oder Reflexion.

  1. am klassischen Modell

Natur und Aktion sind eingebettet in einer Reflexion der äußeren Ereignisse und der inneren Erlebnisse. In der Erlebnistherapie liegt der Schwerpunkt in der Übertragung in das Alltagsleben. Dieser Transfer hängt von einer professionellen Aufarbeitung durch den Erlebnistherapeuten ab, damit die kognitive Erkenntnis zugänglich gemacht wird.

  1. am metaphorischen Modell

Natur und Aktion bilden Lebenssituationen isomorph ab. Es können neue Lösungen aus der Aktion herausgearbeitet und aufgrund der Strukturgleichheit auf reale Lebenssituationen übertragen werden. Der Einsatz metaphorischen Lernens in der Erziehungshilfe nutzt Bilder und Symbole aus der umgebenden Natur, um verworrene und chaotische Sachverhalte auf den Punkt zu bringen und dadurch neue Lösungsmöglichkeiten zu eröffnen.

  1. am archetypischen Ansatz

Archetypen zeigen sich als Struktur der Wirklichkeit, können wahrgenommen, hervorgehoben werden und Aufmerksamkeit bekommen (geeignete Elemente sind z.B. Feuer, Wasser, Erde, Luft).

Arbeit mit Projektionen

Die Natur bietet ein unendliches Feld für pädagogisch und therapeutisch einsetzbare Projektionen. Sie ist sehr viel reichhaltiger und auffordernder für eine projektive Bearbeitung, als die künstliche Situation psychologischer Tests. Metaphorische Bilder in der Natur zu erleben bietet einen ganz besonderen Weg zur Selbstfindung und Selbstreflexion. Wir können die traumapädagogischen Übungen zur Stabilisierung mit den Heilkräften der Natur und Naturräume kombinieren. Selbst wenn über die Erlebnistherapie nicht die gewünschten Ziele erreicht wurden, so werden die Kinder/ Jugendlichen durch viele Erfahrungen bereichert, die ihre Resilienz-Fähigkeiten und ihre Ressourcenlagen erhöhen. Sie erfahren Achtsamkeit, viele Sinneseindrücke, eine ganz eigene Erfahrung ihres Körpers und ihrer Sinneswahrnehmungen. Die Bewegung fordert Kinder und Jugendliche körperlich und nimmt Spannungszustände – körperlich wie geistig. Intensive positive Erlebnisse und Momente der Naturerfahrung bleiben ihnen für immer im limbischen System gespeichert und als Erinnerung erhalten.

Die Grenzen zwischen innen und außen verschwimmen. Das, was innen ist, wird sichtbar. Was innen ist, kann damit außen bearbeitet werden. Je inhaltsleerer, unbestimmter der auslösende Reiz, desto mehr sagt die ausgelöste Reaktion über die Person aus (über die Lebenssituation, die Konfliktsituation, die dominierenden Themen). Lebenssituationen können so wahrgenommen und stellvertretend bearbeitet werden.

  • Erlebnistherapie im Wald – traumapädagogische Arbeit im Hier und Jetzt
    Die Jugendlichen gehen einzeln in das umliegende Gelände und suchen ein Geländestück, in dem sich ihr derzeitiges Leben abbildet (Bäume, Wurzeln, Äste).
  • Erlebnistherapie durch eine Bachbettbegehung – traumapädagogische Arbeit an Ressourcen
    Die Jugendlichen gehen alleine an einem Bachbett hinauf und sollen sich mit einer Themenstellung befassen und einen besonderen Platz suchen, der einen speziellen Lebensbereich wiederspiegelt, z.B. was sie gut können.
  • Selbstfindung durch Klettern und Abseilen – traumapädagogische Arbeit an Sicherheit, Vertrauen und Beziehung
    Die Jugendlichen sollen sich erleben, über sich hinauswachsen. Sie erfahren ganz umfänglich Sicherheit beim Klettern durch sehr sensible Einführung und ganz sicheres und behutsames Anleiten, bis sie selbst den Mut zum Klettern und Abseilen aufbringen. Sie lernen Selbst- und Fremdvertrauen.
  • Erlebnistherapie durch Orientierungsläufe im weglosen Gelände – traumapädagogische Arbeit an Gefühlen im Hier und Jetzt
    Jugendliche sollen bewusst bei Aktionen zur Verantwortungsübernahme erleben. Durch die Führung einer Wanderung im weglosen Gelände kann ein guter Transfer in den Alltag der Jugendlichen hergestellt werden. (Tappen die Jugendlichen im Dunkeln, irren sie umher, treten sie auf der Stelle?)
  •  Erlebnistherapie durch Biwak in der freien Natur – traumapädagogische Arbeit an Achtsamkeit und Bedürfnissen
    Die Jugendlichen sollen unter spartanischen Bedingungen sich selbst erleben und selbst finden, ihre Grundbedürfnisse und Körperreaktionen wahrnehmen. Ohne Fremdeinflüsse. Die Wichtigkeit des Wohlbefindens z.B. Wärme, Trockenheit, Nahrung gewinnen an Bedeutung. Der Erfolg, es zu schaffen, kann die weitere Ausgangsbasis sein.
  •  Erlebnistherapie durch kontinuierliche Wanderungen – traumapädagogische Arbeit an Zukunftsperspektiven
    Die Jugendlichen sollen Metaphern zum Leben finden, sich erleben, wie sie sich bei Zielen verhalten. Gemeinsam einen Berg besteigen, das Gefühl erleben ganz oben zu sein. Im übertragenen Sinn Schritt für Schritt ein Ziel anstreben, erleben, dass es ein langer schwerer Weg ist.

12. Flankierende Maßnahmen

Elternarbeit

Die sozialpädagogische Arbeit schließt Familienarbeit mit ein. Wöchentlich wird mit den Eltern ein telefonischer Austausch gepflegt. Zukünftig wird als Erweiterung des Angebots nach Etablierung geplant, im Rahmen von Familien-Aus-Zeiten auch mit der zugehörigen Familie bzw. Bezugspädagogen und zuständigen Fachkräften aus der Jugendhilfe zu arbeiten.

Kooperation mit dem Hilfesystem

Alle 14 Tage findet ein Austauschgespräch mit dem Jugendamt/ Vormund statt. Nach spätestens sechs Wochen finden weitere Hilfeplan- Gespräche statt, wobei jeweils über die Fortführung der Maßnahme entschieden wird. Auch die mögliche Weitervermittlung wird in enger Absprache zwischen dem Jugendamt und dem Kind entwickelt.

Teamarbeit

Das Team nutzt unterschiedliche Beratungen zur Teampflege: Trauma zentrierte Fachberatung, Fallberatung, Teamsupervision, interne und externe Fortbildungen. Es wird regelmäßig durch einen Supervisor begleitet. Zudem finden regelmäßige Teamgespräche statt. Außerdem werden Fortbildungen besucht. Die Informationen werden im Team weitergegeben, so dass die Arbeit qualifiziert und auf dem neusten Stand ist.

13. Abschluss der Maßnahme

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es sinnvoll ist, das Abschlussgespräch zur Maßnahme, die Stabübergabe und Besprechung von Zukunftswünschen am „Time-in“ Platz stattfinden zu lassen. Tauchen die Jugendlichen in ihr ursprüngliches Umfeld zum Feedback-Gespräch, verfallen sie oft wieder in alte Muster und bedienen sich alter Masken und Abwehrhaltungen, die sie sich in diesem Umfeld zugelegt haben. Die Überführung in den Alltag kann dadurch gefördert werden, dass die Fachkräfte die vollzogenen Veränderungen und Entwicklung vor Ort erfahren und nachvollziehen können. Bei Bedarf kann vom ganzen System auf „Reset“ gedrückt und für den Alltag im Herkunftsort ein Neustart vereinbart werden.

In eine neue Einrichtung nach Beendigung der Maßnahme werden die Kinder/Jugendlichen persönlich von uns begleitet. Wir führen eine ausführliche Übergabe und bleiben bei Bedarf ein paar Tage vor Ort. So werden die gewonnenen Erkenntnisse der letzten Wochen auch in das neue Setting integriert.

14. Nachbetreuung

Manchmal braucht eine Weitervermittlung in passende nachhaltige Betreuungssettings mehr Zeit wie zu Beginn gedacht. Deshalb kann angeboten werden, das Betreuungssetting zu verlängern. Ebenfalls kann eine Nachbetreuung sichergestellt werden. Oft möchten die Kinder und Jugendlichen eine Kontaktmöglichkeit haben, um sich bei Problemfällen weiterhin an uns wenden zu können.
Eine aufsuchende traumazentrierte Fachberatung oder eine ambulante Begleitung des Kindes durch Netzwerkpartner im neuen Lebenssetting der Teilnehmenden kann angeboten werden.

15. Kosten

Die Kosten können als Fachleistungsstunden abgerechnet oder als Tagespauschale vergütet werden – je nach vorliegender Bedarfslage. In der Tagespauschale sind Kosten der Übernachtung, Betreuung, Verpflegung, Materialien, Bekleidung und Taschengeld zusammengefasst. 1/3 der Kosten werden im Vorfeld überwiesen. Fahrtkosten werden gesondert berechnet. Bitte rufen Sie bei Interesse für detailliertere Informationen an.

16. Ausblick - Aus-Zeit Reise mit der Familie und den Fachkräften der Jugendhilfe

Zukünftig soll der „Time-in“ Platz durch ein Betreuungssetting einer gesonderten Maßnahme ergänzt und erweitert werden. Gemeinsam mit Kollegen möchte ich Aus-Zeit-Maßnahmen anbieten. Sie dienen dem intensiven Transfer des Erlebten und der Verankerung von Veränderung im gesamten Umfeld - in Familie und Jugendhilfesystem.

Wir wollen dazu einladen, als Gesamtsystem – Kind/Jugendlicher/Herkunftsfamilie/Fachkräfte der Jugendhilfe - bewusst ein „STOP“ zu setzen und vom bisherigen Hilfeverlauf Abstand zu finden. Wir arbeiten ressourcenorientiert, gleichen Erwartungshaltungen und Konkurrenzen ab und stärken den konstruktiven Umgang des betroffenen Gesamtsystems. Wir ziehen Bilanz, sortieren und finden gute Kooperationsmöglichkeiten für die Zukunft. Wir arbeiten an den gemeinsam abzugleichenden persönlichen Themen, der Interaktion und Kommunikation.

Das kann im grünen Allgäu stattfinden, auf einer Insel, in der Stille der Dolomiten oder aber an einem Ort, den Sie sich wünschen. Die Kraft der Elemente gibt es in jedem Naturraum zu entdecken. Wir wollen elementar arbeiten - das bedeutet, wir beziehen uns auf die vier Grundelemente: das Feuer, das Wasser, die Erde und die Luft. Sie werden gemeinsam in ihren Kräften erlebbar – spürbar.

 

Literatur

BACON, Stefan: Die Macht der Metaphern. Sandmann –Verlag 1998.

GÜTHLER Andreas; LACHER Kathrin: Maturwerkstatt Landart: Ideen für kleine und große Naturkünstler.3.,Auflage Baden und München : AT Verlag 2005.

HECKEMAIR,B.,MICHL,W.:Erleben & Lernen.Einstieg in die Erlebnispädagogik. München 2004. Ernst Reinhardt Verlag.

KAP-INSTITUT; Kooperative Abenteuer Projekte. Zusatzqualifikation Erlebnistherapie -Metaphorisches Lernen kreativ. 2006.

KAP- INSTITUT; Kooperative Abenteuer Projekte. Zusatzqualifikation Erlebnistherapie Therapeutische Potentiale des Erlebnisses. 2007.

KANFER F.H.; REINECKER H.;SCHMELZER D.:Persönlichkeitsstörungen bei Kindern & Jugendlichen.Stuttgart Klett Cotta 1996.

BAIERL M.; FREY K.: Praxishandbuch Traumapädagogik. Lebensfreude, Sicherheit und Geborgenheit für Kinder und Jugendliche. Göttingen. .Vandenhoek & Ruprecht. 2016.